Student Magazine: "Beyond Empire: Eastern Europe in Focus"
Wissenswertes
Nachruf auf Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann
Hans-Hermann Höhmann war einer der Menschen, die viele verschiedene Dinge gleichzeitig machen konnten – alle mit viel Einsatz und mitreißender Begeisterung. Für die Forschungsstelle Osteuropa war er der Begründer des heutigen Arbeitsbereichs Politik und Wirtschaft.

Hans-Hermann Höhmann bei seiner letzten FSO-Konferenz 2004
Am Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien in Köln leitete Höhmann den Forschungsbereich Wirtschaft und er war einer der wenigen Wirtschaftsexperten, die schon früh verstanden, dass es bei der post-sozialistischen Transformation nicht so sehr um rationale Strategien, sondern vielmehr um den Umgang mit kulturellen Traditionen und Pfadabhängigkeiten ging. Als er 1998 in Köln pensioniert wurde, fand er in Bremen ein neues Betätigungsfeld: Forschung zu Wirtschaftskultur im Osten Europas.
Die Forschungsstelle war Anfang der 1980er Jahre gegründet worden für gegenwartsbezogene Forschung mit Schwerpunkt auf Dissens in Osteuropa. In den 1990er Jahren wurde der Dissens langsam Geschichte, für die gegenwartsbezogene Forschung traten andere Themen in den Vordergrund.
Diese griff Höhmann auf. Zuerst mit jährlichen Konferenzen und daraus resultierenden Sammelbänden. Dann mit größeren Forschungsprojekten. Dabei etablierte er eine Praxis, die die Forschungsstelle bis heute prägt: Talentierte Leute mit guten Ideen anwerben, institutionell unterstützen und - wie Höhmann es formulierte - „über ihre Ideen Himbeersoße gießen“, die die Erfolgschancen bei Förderanträgen verbesserte. So schuf Höhmann innerhalb weniger Jahre einen erfolgreichen Arbeitsbereich mit neuen Forschungsimpulsen, Dissertationen und internationaler Sichtbarkeit.
Höhmann hatte von Anfang an betont, dass „alte Schlachtrösser“ (seine bevorzugte Formulierung) rechtzeitig aufhören müssen. Dies setzte er konsequent um. 2004, ein Jahr nach seinem 70. Geburtstag, gefeiert und mit einer Festschrift geehrt, verabschiedete er sich von der Forschungsstelle. Wie der gute Geist im Märchen war er mit einem Mal verschwunden.
Am 23. Juni 2026 ist Hans-Hermann Höhmann verstorben. Wir erinnern uns mit Dankbarkeit.
Heiko Pleines
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